Motiv
Ein Blogbeitrag von Matthias Lanig
Berater

Wie Veränderung garantiert NICHT zum Erfolg führt: Das Glas immer voller machen

Aus eigener Erfahrungen kennen Sie das: Eine Veränderung wird initiiert, alle werden über das neu Erarbeitete informiert, geschult und dann kommt (mintunter nach einer Pilotierung) der Roll-out. Changemanagement gehört heute schließlich zum „guten Ton“ und fehlt als vorletzter Punkt (der letzte ist ja dann das Review) in kaum einer Umsetzungsplanung.

Aber was, wenn sich jetzt die gewünschten Entwicklungen nicht einstellen? Wenn die Mitarbeiter konsequent zu viel von dem machen, was eigentlich nicht mehr sein soll und zu wenig von dem, was das Unternehmen zukünftig will?

Dann – so zeigen viele Praxisprojekte – geht das Changemanagement häufig in seine „Zweite Runde“: Meist wird nochmals trainiert, noch mehr Information und Vision kommuniziert und die Führungskräfte zu mehr Konsequenz und Verbindlichkeit angehalten.

Ein Transferbeispiel hierzu: Stellen wir uns ein Glas vor, das halb voll mit einer orangen Flüssigkeit ist. Nun hat der Inhaber dieses Glases entschieden, dass die Flüssigkeit zukünftig blau sein soll. Was tut er, wenn er sich wie in manchem Change-Projekt verhält? Er gießt eben viel von der gewünschten blauen Flüssigkeit hinzu, setzt auf das sich ändernde Mischungsverhältnis und wartet, bis die Farbschattierungen sich ändern und irgendwann nur noch die blaue Flüssigkeit im Glas ist. Die überlaufende Flüssigkeit ist Teil seines Change-Prozesses. So verstehen viele in der Unternehmenspraxis Change-Management.

Problem: Was ist nun, wenn sich die orange Flüssigkeit aber gar nicht  mit der blauen verbindet? Wenn zwar die blaue Flüssigkeit konsequent überläuft, sich das Mischungsverhältnis aber gar nicht ändert? Auch hier zeigt sich ein typisches Verhaltensmuster in Change-Prozessen: „Mehr vom Gleichen“.
Was lehrt uns das? Auch in der Praxis von Veränderungsprozessen gibt es solche Mechanismen. Sie heißen dort: Sozialisation, kulturelle Prägung oder bisherige Erfolgsmuster. Sie führen dazu, dass sich die „Neue Welt“ nicht gut mit der „Alten Welt“ verbindet. Und wo keine Verbindung entsteht, gibt es auch keinen Veränderungserfolg.

Was bedeutet das im Transferbeispiel? Es bedeutet, dass Sie aufhören sollten, so eine Wasserverschwendung zu betreiben. Prüfen Sie – um im Bild zu bleiben – nach einigem Eingießen, ob und inwiefern sich das Mischungsverhältnis ändert. Und planen Sie dann weiter.
Und was bedeutet es in der Praxis des Veränderungsmanagements?
Nutzen Sie die Reflexionsschleife in Ihren Veränderungsprozessen. Seien Sie „Mustererkenner“ und untersuchen Sie, welche Mischung warum aus Ist-Situation und Neuem entsteht. Machen Sie Ihre Veränderungsprozesse zu einem Wechselspiel aus Maßnahme und Wirkung. Seien Sie flexibel in Ihren Veränderungs-Designs und rechnen Sie damit, dass „die Welt“ aus Sicht des Initiators einer Veränderung anders aussieht als aus Sicht der Mitzunehmenden. Lassen Sie sich deshalb in Ihrem Veränderungsprozess von den wichtigsten Beteiligten drei zentrale Punkte spiegeln:

  • Was ist konkret schon als Veränderungserfolg angekommen?
  • Welche unserer bisherigen Maßnahmen waren erfolgreich? (>Mehr davon!)
  • Was hat in unseren ersten Schritten nicht zum Erfolg geführt? (>Ändern!)

Es liegt nun an Ihnen. Nutzen Sie diesen Transfer für Ihre Veränderungsprozesse. Machen Sie „Ihr Glas“ nicht immer und immer voller. Planen Sie Schritt für Schritt. Mehr vom Gleichen hilft in Veränderungen nicht. Gefragt ist das Auge dafür, was hilft – und da gilt eben: weniger ist mehr!

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