Motiv
Ein Blogbeitrag von Matthias Lanig
Berater

Wenn für Veränderung Zeit und Raum fehlen

In vielen Unternehmen lässt sich die gleiche prekäre Situation erkennen: Die Dynamik lässt Veränderung nicht zu. Hier könnte nun einmal wieder das Beispiel mit dem Waldarbeiter und der stumpfen Säge zur Anwendung kommen – aber das kennen Sie längst zur Genüge.

Heute steht beispielsweise das Thema „Wir brauchen ein neues Managementverständnis“ auf der Agenda vieler Volksbanken Raiffeisenbanken – nicht nur in Nach-Fusions-Phasen. Oft wird dabei der Handlungsbedarf im Rollenverständnis und im Zusammenspiel der oberen Führungsebenen erkannt. (Meist dreht sich´s ja nicht um ein Erkenntnisproblem.) Dann setzen sich die Verantwortlichen damit auseinander und finden auch passende Maßnahmen. So weit, so gut. Nach einiger Zeit stellt sich jedoch oft das Gefühl ein, dass die Wirkung ausbleibt und man irgendwie „auf der Stelle tritt“. 

In vielen Fällen ist es fehlende Zeit, die hier ursächlich ist. Damit ist nicht gemeint, dass Veränderung eben eine Zeitspanne braucht um zu wirken; gemeint ist, dass ein einzelner Veränderungsschritt Zeit und Raum für sich braucht. „Veränderung“ heißt „Entwicklung“. Ein Einzelner oder eine Gruppe verändern sich, indem sie sich von A nach B weiterentwickeln – oder vom Verhaltensmuster A in Verhaltensmuster B. Entwicklung braucht Zeit und Raum.

Und hier liegt oft das Problem: Wenn sich z. B. die Diskussions- und Konfliktkultur zwischen Vorstand und Führungskräften ändern soll, funktioniert das (da können Sie noch so viele Sitzungen extern moderieren lassen) nicht bei voller Fahrt. Wenn eine Projektsitzung die andere jagt, die Strategie noch kurzfristig überarbeitet werden muss und viele interne und externe Veranstaltungen zu absolvieren sind, kann Entwicklung kaum stattfinden. Unter „Volllast“ geht immer nur das alte Verhaltensmuster – oder haben Sie damals auf hoher See schwimmen gelernt?

Entwicklung (und somit Veränderung) braucht Zeit-Räume, in denen sie wirken kann. Wer neue Diskussionsmuster entwickeln will, muss Formate schaffen, in denen bewusst anders diskutiert werden kann und dann auch die Zeit haben, miteinander aktiv daran zu arbeiten und Erfolge zu verstetigen. Ganz nebenbei: gilt selbstverständlich auch für Vorstände – sie vergessen manchmal, dass auch sie einen (sogar erheblichen) Teil zu veränderten Diskussionsmustern beitragen müssen.

Meine Erkenntnis: Veränderung wirkt nicht als „On-Top-Thema“ – sie ist dann wirksam, wenn in sie  investiert wird und sie Zeit und Raum hat. Denken Sie an den Waldarbeiter und seine Säge…

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