Motiv
Ein Blogbeitrag von Matthias Lanig
Berater

Vom Strom und der Brille

Kennen Sie Mrs. Patmore, die Köchin aus der Serie Downton Abbey? (Die Serie spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in einem englischen Herrschaftshaus). Als der elektrische Strom Einzug hielt, fragt sie entrüstet: „Wer um alles in der Welt sollte in der in der Küche elektrischen Strom brauchen?"

Im Moment findet man diese Frage in zahlreichen Facetten rund um die „Arbeitswelt 4.0“ wieder. Natürlich geht es dabei nicht um den elektrischen Strom sondern häufig um Führungs- und Unternehmenskultur. Das  Phänomen ist aber das gleiche: Wir schauen auf das, was uns als die zukünftige Praxis präsentiert wird und sehen es durch den Filter unserer bisherigen Erfahrungen und Glaubenssätze. Und manchmal ist es dann eben wenig verständlich und plausibel. Und dies mündet dann in häufig zitierte Aussagen, wie „Das wird niemals funktionieren…“ und „das braucht doch keiner…“.

Wir können noch konkreter werden: Dieser Zusammenhang greift auch in vielen Banken bei der Entwicklung hin zur Omnikanalwelt  (KundenFokus Privatkunden). Auch da mutet Einiges eher seltsam an -  solange wir alles durch unsere „alte Brille“ betrachten. Wer braucht „digital leadership“ (und die Konsequenzen, die daraus erwachsen)? Warum sollten wir unsere Arbeitseffizienz durch Kollaboration und ständige „Experimente“ reduzieren? Wo kommen wir mit mehr Arbeits-(Zeit-) Flexibilität hin? Durch die „alte Brille“ besehen, scheinen sie oft als die schlechteren Alternativen.

Anders sieht´s aus, wenn man auf erfolgte Entwicklung rückwärts schaut – dann ist Vieles selbstverständlich und war gar nicht anders denkbar (Denken Sie an das Beispiel mit dem elektrischen Strom….). Das ist dann quasi der Blick durch eine „neue Brille“. Er ist aus der Zukunft rückwärts gerichtet und beurteilt den Nutzen von Maßnahmen und Entwicklungen. Das mit Führungskräften und Mitarbeitern zu erreichen, ist anspruchsvoll. Aber es ist auch notwendig  – wenn Veränderungsprozesse gelingen sollen.

Konkret findet dieser Gedanke auch in der aktuellen Entwicklung der Volksbanken Raiffeisenbanken im Rahmen des Projektes KundenFokus Anwendung. Auch hier werden im Wegweiser für den „Erfolgsfaktor Personal“ Schritte und Maßnahmen vorgestellt, die „durch die alte Brille“ vielleicht komisch und ungewöhnlich wirken. Wer sie und ihre Wirkung richtig verstehen will, muss sie durch die „neue Brille“ sehen; er wird dann erkennen, dass Sie schon im Geiste einer veränderungsaffinen (Führungs-)Kultur gestaltet und deshalb für den Wandel besonders förderlich sind.

Damit ist klar: Zuerst brauchen diejenigen, die für die Veränderung/ Entwicklung verantwortlich sind, diese „neue Brille“, damit sie diese im weiteren Schritt auch den übrigen Führungskräften und Mitarbeitern vermitteln können.

Und falls Sie Downton Abbey nicht kennen: Mrs. Partmore hat am Ende der Serie selbstverständlich mit den elektrischen Haushaltshelfern gearbeitet – wenn auch immer mit etwas Wehmut im Hinblick auf die guten alten Zeiten.

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Matthias Lanig

Diplom-Betriebswirt (FH), Prokurist & Seniorberater
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